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Kill Bill Volume 1 review (deutsch)

From The Quentin Tarantino Archives

Quentin Tarantino is back with "KILL BILL VOLUME 1"

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Einführung

Endlich. Nach Jahren des Wartens, und einer ganzen Woche nachdem alle anderen ausserhalb Europas den Film gesehen haben, habe ich es endlich vollbracht. Ich fuhr mit dem Auto nach München und sah Kill Bill Volume 1, den Film, auf den ich seit Jahren warte und den ich schon fast auswendig kenne. Erste einmal, München ist doof. Also, sie haben warscheinlich das beste Kino in ganz süd-ost Deutschand, aber die Stadt selbst ist mies. Der Verkehr ist einfach nur hirnrissig, die Häuser grob und die Preise Übertrieben. Aber nachdem man sich durch die confusen Strassen gekämpft hat und endlich einen überteuerten Parkplatz gefunden hat, kann man sich auf was freuen. Das Cinema Kino in der Nymphenburgerstrasse hat ein Auditorium. Sie zeigen Filme eigentlich nur in der Originalsprache (wieso macht ihnen das niemand nach, verdammt!!!) und das zu fairen Preisen. Es ist ein THX-zertifiziertes Surround Sound Kino mit comfortablen Sitzen und einer riesen Leinwand. Ich und meine Freundin konnten es kaum erwarten den Film zu sehen, also hat es uns schon generft als noch Leute reingeströmt sind als der Vorhang schon rollte. Aber dann.... der Raum wurde dunkel..... mach dich bereit auf einen brutal geilen Film von Quentin Tarantino, sagte ich zu mir.

Handlung

Für alle die, die nicht wissen worums in dem Film geht, hier nochmal die Kurzzusammenfassung von Kill Bill, Teil 1: Black Mamba (Uma Thurman) war Killerin in der Deadly Viper Assassination Squad, wollte aussteigen und heiraten. Doch das hat dem Chef der Bande Bill nicht so gepasst also hat er seine Vipers, nämlich Cottonmouth (Daryl Hannah), Vernita Green (Vivica Fox), Budd (Michael Madsen) und O-Ren (Lucy Liu), als ungebetene Gäste nach Texas geschickt um die komplette Hochzeitsgemeinschaft zu liquidieren. Und Bill zu guter letzt, jagd der schwangeren Kiddo (also Black Mamba) noch eine Kugel in den Kopf. Schock. Ist der Film aus? Natürlich nicht. 4 Jahre später, ein Krankenhaus in Pasadena, sie liegt im Koma, wacht auf und sinnt nach Rache, für das was man ihr angetan hat, und für ihr Baby, das tot ist. Als erstes liquidiert sie O-Ren, dann Vernita (im Film in umgekehrter Reihenfolge). Für Vernita reicht ein Messer, für O-Ren und ihre Killerarmee braucht sie schon handfesteres Werkzeug, also fliegt sie nach Okinawa und lässt sich von Bills ehemaligem Lehrmeister Hattori Hanzo (Sonny Chiba) ein Schwert schmieden. Die Rache kann beginnen.

Review

Der Film beginnt mit dem Shaw-Scope logo, von dem bestimmt kaum wer weiss, was es ist. Es ist das logo des ehemals grössten Chinesischen Filmstudios, und natürlich haben die in 2.35:1 gefilmt, nur nannten sie es nicht Cinemascope, sondern Shaw-Scope, benannt nach ihrem Namen: Den Shaw Brothers Studios. Bekannte Filme dieser Studios: Die 36 Kammern der Shaolin, Jackie Chan Filme, und ca 7000 andere Filme die die Welt beeinflusst haben, vor allem auch diesen Film. Und dann, ein Klingonisches Sprichwort. Jeder lachte. Also, das Kino war voll mit Yuppies und bizarren Älteren Leuten, Mit-Dreissigern oder Studenten, Ich bezeifle dass mehr als 40% der Zuschauer überhaupt die Aussage bzw den Kern des Films begrifen haben, dem Gelächter nach zu urteilen, in Szenen die einfach nicht lustig gemeint waren (die Zuschauer haben einfach nix damit anfangen können, der Filmkenner an sich, schon).

Dann beginnt der Film wie mit einem Knall. Gewalt, Leid, Schwarz-weiss Bilder. Von der allersersten Minute an, grossartige Music, geniales hin und her zappen in Zeitzonen, Handlungsfäden bzw Erlebnissen. Und das in einem Rhythmus der einen einfach einsaugt. Achtung Vernita, The Bride steht vor der Haustüre!

Soviel man auch schon aus den Trailern wusste, es war noch lustiger. Es wurde einfach viel cooler als sie von wir-bringen-uns-jetzt-um dazu übergingen, brav mit Vernitas Tochter zu reden, dann einfach sich unterhielten und Kaffe machten, und dann wieder krass wurden, Black Mamba dann Vernita einfach umbringt. Und BANG, das nächste Kapitel. So geil war das. Kurz und grossartig. Der Kampf zwischen Vernita und Black Mamba tat richtig weh (vor allem beim Sound im Cinema Kino). Das war es eben, was so cool an dem Film ist, man konnte nicht darüber nachdenken was passiert war, es kam einfach so auf dich nieder und während man noch verdauen wollte, gings gleich mit dem nächsten Kapitel weiter, wie Rollercoaster.

Darauf baut der Film auf, darauf sollte eigentlich jeder Film aufbauen: Überraschung, Thrill und Spass. Kill Bill ist, nach langen Jahren, wieder einmal ein Film der wirklich ein FILM war. Ich rede nicht von dem üblichen Bullshit der Jahrenlang über die Leinwände prasselt (Bad Boys 2, Pirates of the Carribean,...), Ich rede von einem Film, der so stark Film ist, dass man nicht mal mehr neben sich blickt wo die Freundin sitzt (was ich dennoch getan habe), sondern man nur noch auf die Leinwand starrt weil der Film einen so fesselt und absorbiert. Das ist es, was Kill Bill getan hat, er hat mich erfasst, in seinen Bann gezogen. Er hat mich so gefesselt, dass ich am Ende Tarantino hasste dafür, dass er mich nicht weiterschauen lässt. Verstehen sie mich nicht falsch, der Film ist absolut das Genialste und das Ende ist toll, aber verdammte noch mal, ich wäre gerne noch 2 Stunden dagesessen und hätte die Geschichte zu Ende gesehen. Der Film geht so schnell vorbei dass man es kaum merkt. Absolut genial.

Die Szenen im Krankenhaus, einfach genial. Wie Bowens Charakter Buck den Zuhälter spielt, wie die Mücke mit einem Blubb Geräusch Black Mamba anzapft und dann der "ugliest pot of vaseline in movie history". Alles grossartig. Jedes Detail dieses Films sitzt. Jeder lachte als Ume ihren grossen Zeh wackeln wollte, jeder lachte, als der film wieder zurück sprang zum Zehen wackeln, und jeder atmete auf als der "hard part" vorbei war. Und dann, diese Aufnahme machte mich besonders Glücklich: Der Pussy-Wagon Schlüsselanhänger von Buck. Nicht nur weil er cool ist, sondern weil ich einen habe. Und weil ich einer der wenigen hier bin, der ihn hat, und weil man ihn in Deutschland nur bei ebay kriegt, und sogar dort nur von mir ;-) Das ist besser wie ein Poster, eine Requisite.

Ok jetzt mal zum WAHREN lustigen Teil des Films. Der Film ist lustig, keine Frage, teilweise. Aber die meisten Leute lachten die ganze Zeit obwohl das lustigste noch gar nicht da war: The Man from Okinawa. Das war Comedy. Das war Tarantinos homage an Comedy, an sit-coms, and stand-up comedy. Der Sushi Koch und der Sushi Assistant, ein grossartiges Dick und Doof ähnliches Comedy team dass mich sehr zum lachen brachte, und all das mit Untertiteln, weil es ja auf Japanisch war. Einfach grossartig! Das hätte noch Stunden so weiter gehen können. Und dann, die Schwerte. Eine Katana nach der anderen.

Das lustige mit den Schwertern war - genau hinsehen! - dass jeder eins hatte. Das ganze Flugzeug nach Tokyo, der Flughafen, jeder hatte eins. Und wieso ist Sofie Fatale auf dem Werbebanner in Tokyo? Wer weiss....

Und dann wird es so richtig brutal. Weil jetzt wirds zeit, eine andere Person auf der Todesliste ("kill bill") zu präsentieren: O-Ren Ishii, gespielt von der tollen Lucy Liu. Und jetzt lachte kaum mehr jemand, denn es wurde grausam. Die ganze Anime Sequenz war grausam und ungewohnt, und das macht es so Intensiv.

Obwohl ich irgenwie nicht mochte wie es gezeichnet war, war es gut. Also, ich bin kein Fan von Anime, aber ich mags. Aber es war einfach undetailliert gezeichnet und etwas grob, und Animes haben grundsätzlich das Problem, dass Hintergründe detailliert sind, aber die Charaktere einfach zu einfach und Lego-ähnlich aussehen... aber wie auch immer.

Zurück zum Film, der gerade zurück zum Film selbst geht und Black Mamba auf dem Weg ist zum House of Blue Leaves. Das ganze ist so Geheimagenten ähnlich, mit der Szene auf der Toilette und so. Und ja, wieder Comedy: Der Ober und die Chefin! Und jetzt kommen wir zum Höhepunkt, die Berühmte Schlacht im House of Blue Leaves, wo alles sich blutrot färbt, wenn The Bride richtig abgeht und die Crazy 88s umbringt, die hitsquad von O-Ren Ishii. Und hier wirds brutal (wenn auch teilweise in Schwarzweiss, im Gegensatz zur Version, die man in Japan zu sehen bekommt). Blut überall, Gliedmassen, Köpfe, Augen, Tritte, Schnitte... das ganze Programm eben. Und das ganze unglaublich schnell. Und während das ganze Gemetzel anfangs immer wieder etwas zur Ruhe kommt, wird es dann eine Art Ballet, als die Musik anfängt und Uma quasi dazu tanzt und in einer flüssigen Balletvorführung alle umbringt, auch den Oberkiller Johnny Mo. Und Gogo, die weibliche version des Master of the Flying Guillotine (ein Shaw Brothers Film übrigens) sozusagen. Das alles ist absolut der Wahnsinn. Ein Martial Arts chop-socky epos auf eine halbe Stunde gepresst, absolut Intensiv, stylish und das beste vom besten. Ein wundervolles Werk der Martial Arts Filmkunst, grossartig, und dann Zeit für Rache, Zeit, O-Ren auszuschalten.

Ein schöner schneebedeckter Garten. Blaue Szenerie, Schneeflocken, Ruhe. Weiss und blauer Schimmer dominiert das Bild, bis beide zur Tat schreiten. Lucy Liu Liebhaber sollten sich lieber die Augen zuhalten, denn sie wird hier nicht lebend rauskomen.....

Eindrücke

Ich liebe Kill Bill. Von der ersten bis zur letzten Minute liebte ich den Film. Der Film ist so frisch, so aufregent, aber gleichzeitig so vertraut, so wohl. All die Anspielungen auf vergangen Tarantino Filme, alte Charaktere, dann die Homage an das Kino: Die Samurai Filme, die Spaghetti Western, die Exploitation Filme, die Kung Fu Filme. Alles zusammen ist so eine grossartige Kinoerfahrung, und am Ende, wenn der Abspann rollt, drehte sich mein Schatz zu mir und sagte "ach Scheisse, ich könnte hier noch mal 2 Stunden sitzen, es war brutal super!"

Das ist der springende Punkt. Nach den Diskussionen über die Entscheidung, den Film aufzuteilen, nach all diesem Medienwirrwar, will man trotzdem einfach mehr, obwohl man sich damit abgefunden hat. Man hasst es. Weil 110 Minuten sind nicht lange. Es geht vorbei wie 30 Minuten und man wundert sich, warum einen Tarantino nicht noch mal 110 minuten hier sitzen lässt. Und das lustige ist: Es ist immer noch genügend Popcorn und Cola da, weil der Film so super war, dass man sich total auf den Film konzentriert hat, und sonst nix, so Intensiv war dieser FILM.

Und der Style. Der Style! Die Aufnahmen, das Schwarz/Weiss, das Split-Screen, die Farben. Kill Bill ist schön, so gut gemacht, so auf die Spitze getrieben und so absolut "Kino", dass man nie mehr was anderes sehen will, ausser Volume 2, und dann will man beide auf DVD um seine Freunde einzuladen und alles noch mal anzusehen, mehrmals. Weil es kein Film ist der langweilt wenn man weiss was passiert. Man sieht sich nicht Kill Bill an weil man wissen will WER stirbt, sondern weil man das ja weiss. Man sieht sich Kill Bill an, weil man wissen wird, wie cool alles ist und wie es passiert, und wie viel spass es macht, wenn Uma wieder zuschlägt.

Beurteilung, Prognose

Kill Bill Volume 1 ist der beste Film seit Jahren und sicher der beste Film des Jahres überhaupt. Man wird bis Februar oder März hierzulande warten müssen um Volume 2 zu sehen, und wenn er auch nur halb so gut wird, und er wird sicher noch BESSER, dann ist es das warten wert.

APPELL

An alle Rummeckerer, oder Kritiker, oder an alle die, die dem Film schlechte Kritiken geben: Geht in die Videothek, und fangt an, euch mit Kinogeschichte zu beschäftigen, den Kill Bill ist nichts anderes als ein Konzentrierter Pack genialer Genres, eine Homage and das unterhaltende Independent Kino, und wer dass nicht kapiert, sieht natürlich nur das Blut und stempelt den Film als Quatsch ab.

Das beweisst wieder mal den alten Spruch: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Und wenn sie dem Film nichts abgewinnen konnten, lassen sie sich nicht entmutigen, sehen sie ihn noch mal an, leihen sie sich ein paar Kung Fu oder Samurai Filme aus der Videothek, vielleicht lernen sie ihn dann zu schätzen.

by Sebastian Haselbeck